Lange Zeit war die Personalentwicklung pädagogischen und psychologischen Verfahren vorbehalten. Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse stellen nun ein neues Konzept in den Vordergrund – die Neurobiologie. So ist mittlerweile nachgewiesen, dass Hormone einen großen Einfluss auf unsere Persönlichkeit nehmen und wichtige Eigenschaften wie beispielsweise Neugierde, die Bereitschaft für Veränderungen oder Aufmerksamkeit zu stärken. So kommen in letzter Zeit immer mehr Impulse zu Führung, Veränderung und Gesundheit aus der sozialen Neurowissenschaft. In meinem heutigen Beitrag möchte ich der biologischen Personalentwicklung einen gebührenden Platz im HR-Wesen einräumen und die Vorteile darlegen, die dieser Ansatz mit sich bringt. Aus meiner Sicht sprechen vor allem zwei Argumente für einen Einfluss der Biologie in die Personalentwicklung:

  • ihre objektive Messbarkeit sowie
  • ihre Überzeugungskraft

Was Ersteres betrifft, wissen wir aus zahllosen Persönlichkeitsfragebögen und Test, wie sehr diese von unmittelbar vorher gemachten Erfahrungen abhängen. Eine Prüfung von Blutzucker oder Cortisolwert sind nicht dagegen weitestgehend unabhängig und so ein wesentlich objektiveres Kriterium. Hierzu ein kleines Beispiel: Anhand des Blutzucker-Gedächtnisses der letzten 90 Tage, dem sog. HBA 1c-Wert, kann medizinisch die Verzuckerung des Blutes gemessen werden. Je höher diese ist, desto höher ist auch die Entzündungsbereitschaft des Körpers, was zu einer negativen Auswirkung auf Kreativität und Konzentration führen kann. Der bekannte Spruch „In einem gesunden Körper steckt auch ein gesunder Geist“ ist inzwischen auch durch die Neuroimmunologie belegt. Ein weiterer, beispielhafter Marker, ist Cortisol – unser Vitalitätshormon. Es versorgt uns tagsüber mit ausreichend Energie und abends für Müdigkeit und einen tiefen, erholsamen Schlaf. Haben wir einen niedrigen Cortisolwert oder gar einen umgekehrten Verlauf, sind damit nicht selten Schlaf- oder Konzentrationsstörungen verbunden.

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Gelingt es nun, definierte Erfolge an Blutwerten und weiteren medizinischen Markern zu messen, gibt es neben den Fragebögen und subjektiven Auswertungen durch Beobachtungen am Arbeitsplatz endlich auch eine weitere Messgröße von Maßnahmenerfolgen. Die Vernetzung von Blutmarkern und Verhalten soll aber nicht zu einer Ausmusterung von Mitarbeitern dienen, sondern gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten auf, den Mitarbeitern individuelle Tipps für deren Gesundheit und somit auch Leistungsfähigkeit zu geben.

Ein weiterer positiver Aspekt der biologischen Personalentwicklung ist deren Überzeugungskraft. Aufgrund meiner Erfahrung bei diversen Programmen zur Führungskräfteentwicklung kann ich sagen, dass gerade pädagogische Konzepte wie beispielsweise der Feedbackburger oder Achtsamkeitstraining oftmals nicht ernst genommen werden. Vor allem naturwissenschaftlich orientierte Mitarbeiter bevorzugen es, biologisch abgeholt zu werden. So motivieren verbesserte Blutwerte in machen Situationen mehr als ein guter Rat.

Wie aber sieht das Ganze nun in der Praxis aus?

Unser Kunde, die Wittenstein AG, ist erfolgreicher Hersteller für elektromechanische Antriebssysteme. Mit unserem gemeinsamen Programm „Gesundheitspioniere“ sorgen wir dafür, dass die Mitarbeiter sowie deren Partner innovativer, gesünder und leistungsfähiger werden. Zu Beginn einer sechswöchigen Lebensumstellung in den Bereichen Ernährung, Bewegung, Schlaf und Entspannung werden die Blutwerte der Teilnehmer geprüft. Die Erfolge, die sich nach nur wenigen Wochen einstellten waren großartig. So konnten z.B. einige der Teilnehmer Medikamente, welche bereits über Jahre eingenommen wurden, absetzen. Für dieses Projekt wurden wir zusammen mit der Wittenstein AG in gleich zwei Kategorien für den „HR-Excellence Award 2015“ nominiert. Mehr darüber lesen Sie in meinem Blog.

Auch bei der Barilla Deutschland GmbH in Celle, einem der weltweit meist geschätzten Lebensmittelunternehmen der kompetitiven Foodbranche, messen wir seit mehreren Jahren die Führungs- und Veränderungsbereitschaft anhand unserer Leistungsdiagnostik. Die Personalleiterin, Vera Iqbal, sagt über unser Programm: „ Wir haben von den Führungskräften viele positive Rückmeldungen erhalten. Besonders gut bewertet wurde der >andere< Blick auf die Führungskräfteentwicklung, die wissenschaftlichen Tests in Verbindung mit einem persönlichen Auswertungsgespräch sowie die Vereinbarung individueller Ziele. Das Programm hat sich für uns ausbezahlt“.

Diese beiden Beispiele zeigen uns – wir sind auf dem richtigen Weg!

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Plädoyer für eine biologische Personalentwicklung, 7.5 out of 10 based on 2 ratings
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Dr. Sebastian Spörer

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2 thoughts on “Plädoyer für eine biologische Personalentwicklung

  1. Danke für Ihren spanndenden Beitrag, Herr Spörer.

    Gut finde ich die Idee, naturwissenschaftlich denkende Mitarbeiter/Personalentscheider durch medizinisch-biologische Argumente zu überzeugen. Diese Gruppe hält PE oftmals für esoterischen Quatsch und kann so ev. vom Gegenteil überzeugt werden.

    Andererseits: Medizinische Befunde unterliegen in Deutschland strengem Datenschutz, und das aus gutem Grund. Wie sie selbst schreiben, sollten Arbeitgeber solche Daten nicht nutzen (können), um Entlassungsentscheidungen zu fällen. Genau das wird bei biologischer PE aber möglich und was möglich ist, wird häufig auch gemacht. Wichtig ist hier also das Vertrauen im Unternehmen. Dass dieses bei den von Ihnen genannten Unternehmen vorhanden war, freut mich – häufig wird es daran jedoch scheitern. PEler müssen also mit viel Fingerspitzengefühl entscheiden, welche Messungen sie durchführen.

    Auch der Kostenfaktor ist hier wichtig. Medizinsiche Messungen sind sehr teuer. Viele Unternehmen werden sich das nicht leisten können oder wollen. Und für viele PE-Maßnahmen ergeben sie auch keinen Sinn, z. B. Rhetoriktrainings oder Erwerb von betriebsspezifischem Wissen – warum sollte sich hier ein positiver Effekt auf biologische Marker einstellen? In diesem Sinne meinen Sie doch wohl auch eher ein biologisches BGM.

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    • Hallo Herr Schwarz,

      herzlichen Dank für Ihren Kommentar. Tatsächlich sind viele Ihrer Fragen Problemstellungen, mit denen wir uns täglich auseinandersetzen müssen. Ihre Bedenken bzgl. des Datenschutzes kann ich jedoch schnell ausräumen. Da all unsere Coaches Ärzte oder Psychologen sind, fallen die Ergebnisse unter die therapeutische Schweigepflicht. Die Daten sind somit nur für den Teilnehmer gedacht.
      Natürlich sind solche Messungen und biologisch orientierte Trainings nicht in allen Bereichen sinnvoll. Allerdings zeigt unsere Erfahrung, dass die Neurobiologie gerade bei Themen wie Change und Führung auch die Menschen erreicht, die uns sonst gegenüber nicht so offen wären. Daher ist dies aus meiner Sicht gerade kein BGM-, sondern ein Personalentwicklungsansatz.

      Herzliche Grüße Dr. Sebastian Spörer

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