Top oder Flop? Aufgeblasener Hype oder wirksames Mittel für das Recruiting? Das fragen nicht nur wir, sondern auch viele Personalverantwortliche, wenn es um das Thema Employer Branding geht. Denn ob Konzern oder Mittelstand: Immer mehr Unternehmen bemühen sich um eine gute Positionierung als attraktive Arbeitgebermarke. Ausschlaggebend für ihren Erfolg ist allerdings, dass die Maßnahmen und Botschaften bei den Bewerbern auch richtig ankommen.

Unternehmen liegen oft daneben
Aber wie sieht es überhaupt aus mit der Erreichung der Zielgruppen? Dieser Frage sind wir gemeinsam mit dem TÜV Rheinland nachgegangen. Dessen Experten für Personalentwicklung haben in einer Metastudiezehn aktuelle Untersuchungen ausgewertet. Das Ergebnis: Offensichtlich schätzen Personalverantwortliche und Entscheider branchenübergreifend die Erwartungen der Arbeitnehmer in wesentlichen Aspekten falsch ein. So erscheint ihnen beispielsweise Flexibilität und Unternehmensimage wichtiger als das Thema Sicherheit. Auf der Wunschliste der Bewerber steht dagegen Sicherheit auf Platz drei, direkt nach Arbeitsklima und Kollegialität, dicht gefolgt von interessanten Aufgaben. Das Image des Arbeitgebers fällt dagegen deutlich ab. Auch spannend: Weniger wichtig als erwartet scheint sich das Thema Gehalt auf die Entscheidung für einen Job auszuwirken.

Kampf um die Besten zieht an
Solche Fehleinschätzungen können durchaus fatale Folgen haben. Denn die Verhältnisse auf dem Arbeitsmarkt verändern sich: Über lange Jahre konnten die Firmen aus einer Vielzahl an Bewerbern wählen. Heute sehen sich vor allem hoch qualifizierte Fachleute, Manager und Hochschulabgänger in der Position, ihren zukünftigen Arbeitgeber entsprechend ihrer eigenen Kriterien und Vorstellungen selektieren zu können.

Natürlich ist das Phänomen nicht ganz neu: Bereits seit Jahren herrscht auf dem deutschen Arbeitsmarkt ein wachsender Bedarf an höher qualifizierten Mitarbeitern. Vor allem in Bereichen wie Führung, Forschung, Organisation oder Management werden händeringend Fachkräfte gesucht. Das hat die Bundeszentrale für politische Bildung schon 2004 festgestellt. Aber die Lage hat sich weiter verschärft. Eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags aus 2011 ergab, dass bereits heute 37 Prozent der Betriebe offene Stellen zwei Monate oder länger nicht besetzen können. Vor allem technikorientierte Branchen wie Fahrzeugbau, Elektrotechnik oder die Gesundheitswirtschaft sind betroffen.

Employer Branding soll’s richten
Im Kampf um die besten Arbeitskräfte soll es Employer Branding also jetzt richten. Es gilt als Schlüssel für ein erfolgreiches Personalmanagement. Gezielte Kommunikationsmaßnahmen sollen dabei die Effizienz im Recruiting steigern, die Qualität der Bewerber verbessern und die vorhandenen Leistungsträger langfristig an das Unternehmen binden. Aber angesichts der oben erwähnten, alarmierenden Ergebnisse sind Unternehmen gefordert, sich wesentlich intensiver auf die Wünsche und Bedürfnisse ihrer Bewerber resp. Mitarbeiter einzustellen. Dazu müssen sie sowohl ihre Zielgruppen als auch eigene Stärken und Schwächen besser kennen lernen.

Eigenes Know-how erkennen
Aus meiner Erfahrung heraus kann ich sagen, dass in den Unternehmen dieser Bedarf teilweise durchaus erkannt ist. Aber knappe Ressourcen hindern die Firmen oft daran, sich ihre Arbeitgebermarke systematisch zu erarbeiten. Auch gibt es immer noch zu wenig praktikable Tools oder Methoden in dem Bereich – obwohl sich die Fragen und Vorgehensweisen in den Unternehmen durchaus ähneln. Für unsere Arbeit haben wir uns jetzt selbst geholfen und im Zuge der Zusammenarbeit mit dem TÜV Rheinland einen Employer Branding Check entwickelt. Diesen Strategiebaukasten nutzen wir, um Unternehmen darin zu unterstützen, ihren Markenfindungsprozess zu verkürzen, vorhandene Potenziale zu erkennen, passende Markenwerte zu erarbeiten und effektive Maßnahmen zu entwickeln. Denn das Know-how für ein wirkungsvolles Employer Branding ist in den Unternehmen meist vorhanden. Wir müssen nur Wege finden, es besser zugänglich zu machen. Und dafür gibt es im Rahmen von Mitarbeiterveranstaltungen und Recruitingevents jede Menge Möglichkeiten.

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Employer Branding - wenn Kommunikation nach hinten losgeht, 9.5 out of 10 based on 2 ratings
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Dominik Deubner, DOMSET Live-Kommunikation

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One thought on “Employer Branding – wenn Kommunikation nach hinten losgeht

  1. Employer Branding ist gefolgt von Employer Ranking – beides ist der Unternehmenskultur wenig förderlich.

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