MitarbeiterbindungMotivierte, leistungswillige Mitarbeiter sind rar geworden in deutschen Unternehmen: laut der neuesten Ausgabe der Gallup-Studie zur Mitarbeitermotivation haben bereits ein Viertel der Arbeitnehmer innerlich gekündigt. Mehr Mitsprache in Unternehmen könnte diesen Trend umkehren.

Vor kurzem veröffentlichte das Beratungsunternehmen Gallup seinen jährlich erscheinenden Engagement-Index, eine repräsentative Studie, die die Arbeitnehmer in Deutschland zu den Themen Engagement und Motivation befragt. Die Ergebnisse für 2012 sprechen eine deutliche Sprache: rund 85 Prozent der Beschäftigen weisen Defizite im Bereich Motivation auf, wobei die Zahl der Arbeitgeber, die sich so gut wie gar nicht mit den Unternehmenszielen identifizieren, bei 24 Prozent liegt.

Verlustfaktor unmotivierte Mitarbeiter

Die Gallup-Studie zeigt zudem auf: Mitarbeiter, die an ihr Unternehmen kaum emotional gebunden sind, zeigen weniger Eigeninitiative, Leistungsbereitschaft und Verantwortungsbewusstsein. Auch die Innovationskraft leidet darunter – emotional an den Arbeitgeber gebundene Mitarbeiter bringen fast doppelt so viele Anregungen für Verbesserungen ein als ihre weniger gebundenen Kollegen. Durch fehlende oder geringe emotionale Bindung entstehen den Unternehmen hohe Einbußen: Die Studie schätzt, dass erhöhte Fehlzeiten und geringe Innovationsleistungen die deutschen Unternehmen bis zu 138 Milliarden Euro kosten.

Strohfeuer Gehaltserhöhung

Wie können Führungskräfte und Personalabteilungen diesem Trend entgegenwirken und für Motivation und emotionale Bindung sorgen? Viele Manager denken bei Mitarbeitermotivation sofort an höhere Gehälter – doch mehr Geld hilft in der Regel nur kurzfristig. Laut einer Studie der Unternehmensberatung Hay Group von 2012 spornen Gehaltserhöhungen Mitarbeiter dauerhaft kaum zu mehr Leistung an. Allzuschnell tritt ein Gewöhnungseffekt ein und die gewünschte Leistungssteigerung bleibt aus.

Partizipation als Mittel zur Bindung

Sinnvoller ist es, sich in Zusammenhang mit Mitarbeitermotivation auf die „weichen“ Faktoren zu konzentrieren – ein kollegiales Arbeitsumfeld, größere Entscheidungsfreiräume und vor allem die Einbeziehung in betriebliche Entscheidungsprozesse haben großen Einfluss auf die Zufriedenheit. Insbesondere der letztere Punkt kann sich enorm auf die Produktivität und die Mitarbeiterbindung an das Unternehmen auswirken. Ein Team von Wissenschaftlern unter der Leitung des Verhaltensökonoms Jeffrey Carpenter erforschte 2011 in einem Experiment, wie sich ein höheres Maß an Mitsprache auf die Motivation auswirkt. Inhaltlich ging es dabei darum, zu entscheiden, nach welchem Lohnmodell vorher gemeinsam erwirtschaftetes Geld aufgeteilt werden sollte. Ein Teil der Probanden konnte selbst über das Vergütungsmodell entscheiden, eine andere Gruppe hatte auf den Auszahlungsmodus keinen Einfluss. Das Ergebnis war eindeutig: Wenn die Teilnehmer bei der Wahl des Lohnmodells mitbestimmen konnten, waren sie leistungsbereiter und produktiver – unabhängig davon, für welchen Vergütungsmodus sich die Gruppe entschied.

Motivationsschub durch Mitsprache bei Entscheidungen

Wie läßt sich Mitsprache im Unternehmen praktisch umsetzen? Eine neue Technologie namens Social Forecasting eröffnet Firmen neue Möglichkeiten zur Einbindung von Beschäftigten. Führungskräfte können mithilfe von Social Forecasting Mitarbeiter direkt zu relevanten Sachthemen befragen. Über ein ausgefeiltes technisches Verfahren, das Elemente von Enterprise 2.0 und Gamification beinhaltet, werden die Antworten der Teilnehmer gebündelt und in aussagekräftige Kennzahlen verwandelt.

Social Forecasting in der Praxis

Der Mittelständler Zeppelin Rental aus Garching bei München machte die Probe aufs Exempel und vernetzte über 100 Standorte mithilfe von Social Forecasting. Über die im Intranet installierte Plattform stellen Führungskräfte Fragen zu Strategie, Vertrieb, Kunden, Preisen und Wettbewerbern an die Mitarbeiter. Das Unternehmen kann auf diese Weise dezentrales Marktwissen in die Entscheidungsprozesse und die strategische Planung einfließen lassen. Aus Sicht der Arbeitnehmer ist die Tatsache, von leitenden Angestellten bei tatsächlichen Geschäftsentscheidungen um Rat gefragt zu werden, eine positive Erfahrung. Mitarbeitern wird durch Social Forecasting vermittelt, dass ihre Meinung wichtig ist und sie konstruktiv zum Unternehmenserfolg beitragen können. Diese Einbindung in Entscheidungsprozesse erzeugt einen großen Motivationschub, den Manager nicht unterschätzen sollten.

 

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