Wir!Die knappe Anzahl hoch qualifizierter Ressourcen, verbunden mit einer zunehmend deutlichen Veränderung der allgemeinen gesellschaftlichen Werte scheinen einen zunehmend grossen Einfluss auf den Unternehmensalltag zu gewinnen. Gemeinschaft verliert an Bedeutung und das ICH gewinnt überproportional an Gewicht. Wenig Mitarbeitende fragen nach dem, was sie für die Organisation, in diesem Fall das Unternehmen tun können. Nein – die häufig gestellt Frage ist: Was tut das Unternehmen für mich? Ich denke, dass die berühmten Worte „Ask not what your country can do for you“ welche John F. Kennedy anlässlich seines Amtsantrittes am 20. Januar 1961 in Washington sagte, leider endgültig in das Reich der historischen Romantik entschwunden sind. Ein Transfer dieser Worte in den Arbeitsalltag bleibt wahrscheinlich zunehmend auf vereinzelte Start-up‘s und bald nur noch auf NGOs oder Freiwilligenarbeit beschränkt.

Die Frage „Was kann ich für die erfolgreiche Entwicklung des Unternehmens tun“ ist bedauerlicherweise nicht mehr zeitgemäss. Es geht doch heute hauptsächlich darum „Wie kann mich das Unternehmen weiterentwickeln, fördern, pushen usw.?“ Konzepte wie Cafeteria Modelle, Kataloge für betriebsinterne Weiterbildungskurse, permanente Werbung für betriebsinterne Weiterbildungen gehören zum Alltag und entwickeln förmlich und nachhaltig eine reine Konsumentenmentalität. Es ist ja schliesslich die gesellschaftliche Aufgabe des Unternehmens, wird ja häufig nachgedoppelt. Ein wahrer Leckerbissen, wie hier der egomanisch orientierte Mitarbeiter geschickt neue Werte (ICH) mit alten Werten (gesellschaftliche Aufgabe des Unternehmens) kombiniert, um seine eigenen Bedürfnisse befriedigt zu kriegen.

Noch erschreckender ist es mit der Betriebstreue. Was früher als Tugend betrachtet wurde, entwickelt sich zunehmend zur Last. Ich höre hier schon Einwände seitens Arbeitnehmer. OK, als Arbeitgeber sind wir hier nicht ganz unschuldig, aber ist es nicht verblüffend, wie sich eine zunehmend egomanische Gesellschaft zu wahren Job-hoppern entwickelt. Etwas Gegenwind im beruflichen Alltag oder sogar ein Vorgesetzter der, pardon, ehrlich und offen eine Soll/Ist-Abweichung im Verhalten oder in der Leistung anspricht und schon wird ein zunehmender Teil der Mitarbeitenden empfänglich für die wohlklingenden Minnegesänge der allgegenwärtigen Personalvermittler und Recruiter. Mutmasslich bessere Anstellungsbedingungen, etwas mehr Gehalt, vermeidlich spannendere Aufgaben? Ein Argument genügt häufig und der Entschluss ist gefällt -> Kündigung und Wechsel! Warum die Kündigungsfrist auf Wunsch des Arbeitgebers verlängern, um einen Nachfolger einzuarbeiten? Sicher nicht! Auch hier wird der Ich-fixierte Zeitgenosse von einer juristischen Rettungsleine getragen, er hat ja das Recht dazu. Gott sei Dank, haben auch hier Menschen mit einer hohen sozialen Verantwortung Arbeitslosenversicherungen erfunden. Hier dienen sie aber nicht dem ursprünglichen Zweck, Not zu lindern und Härtefälle zu verhindern. Nein, sie werden zum Sicherungsnetz, sollte der etwas blauäugig angenommene Job-hopp nicht klappen.

Gewiss mag hier das moderne HR Management mit ausgefeilten Retention Massnahmen, Entwicklungsplänen und sonstigen ausgefeilten HR Management Massnahmen versuchen, die Entwicklung zu kompensieren. Doch kann Human Resources Management gesellschaftliche Trends wirklich verändern? Ich denke eher nein. Wer hier bedeutend stärker gefordert ist, ist die Führungskraft, deren Aufgabe es ist, dem allgemeinen Trend zu begegnen und durch die Vermittlung von Sinn, im speziellen Fall sogar von Gemeinschaftssinn Gegensteuer geben kann. Eine nachvollziehbare Strategie, gemeinsame Ziele, geteilte und gemeinsame Erfolge, gemeinsame Erlebnisse oder sogar gemeinsame Niederlagen schweissen auch Mitarbeitende zusammen. HR und Führung sind gemeinsam gefordert, betriebliche Wertesysteme zu schaffen, wo auch die Demut des Individuums als Teil eines Ganzen wieder Platz findet.

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