Die Personalbereiche der Unternehmen stehen vor gewaltigen Herausforderungen. Auf die Risiken der demografischen Entwicklung wird schon seit längerem intensiv und anschaulich hingewiesen. Der zunehmende Fachkräftemangel hat bereits zu einem regelrechten Kampf um gute Mitarbeiter geführt. Für den Erfolg der Unternehmen wird es also von herausragender Bedeutung sein, weiterhin gute Mitarbeiter zu gewinnen und an das Unternehmen zu binden.

Doch das ist nur die eine Seite. Auf der anderen Seite haben die Belastungen für die Mitarbeiter durch „die Verdichtung der Arbeitswelt, den steigenden Zeitdruck und den Fluch der ständigen Erreichbarkeit“ derart zugenommen, dass sich Unternehmen zunehmend darüber Gedanken machen, wie sie ihre Beschäftigten vor dem Burnout bewahren können. Folgt man dem Titelthema des Spiegel 30/2011, dann haben viele Unternehmen auf diese Herausforderung bereits reagiert.

Dabei ist es schon beeindruckend, was manche Unternehmen tun, damit ihre Mitarbeiter mit dem gestiegenen Leistungsdruck und der permanenten Verfügbarkeit  besser zurechtkommen: Von hochflexiblen Arbeitszeitmodellen über Sportangebote während der Arbeitszeit bis hin zu Yoga und Thai Chi etc.. Entschleunigung, Stressbewältigung und Work-Life-Balance treten dabei in Konkurrenz zu Produktivitätssteigerung und Prozessoptimierung. Natürlich handeln diese Unternehmen nicht uneigennützig. Der Spiegel beziffert den volkswirtschaftlichen Schaden, der allein aus den arbeitsbedingten psychischen Belastungen resultiert, auf 6,3 Mrd. Euro jährlich.

Gleichzeitig  kommt die Universität Duisburg-Essen in einer jüngst veröffentlichten Studie zu dem Ergebnis, dass die Arbeitnehmer in Deutschland immer unzufriedener werden und die zunehmende Unzufriedenheit die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen gefährdet. Die Ursachen sind nach Einschätzung der Wissenschaftler in zunehmender Arbeitsbelastung, Problemen bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, geringen Lohnsteigerungen und wachsender Unsicherheit über die berufliche Zukunft zu suchen. Langfristig, so glauben die Wissenschaftler, können die Ergebnisse für Unternehmen fatal sein, wenn nicht endlich eine längst überfällige Debatte über eine Weiterentwicklung des Personalmanagements in Richtung Nachhaltigkeit einsetzt.

Die Herausforderungen an die Unternehmen lauten also: Die Attraktivität als Arbeitgeber steigern, Mitarbeiter entwickeln und im Unternehmen halten, Gesundheit, Motivation und Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiter erhalten, Mitarbeiterzufriedenheit und Motivation steigern. Eigentlich nichts Neues, oder? Doch wie passt das alles zusammen? Wie kommt es, dass trotz der Bemühungen der Unternehmen, in die Zufriedenheit und das Wohlbefinden der Mitarbeiter zu investieren, die Unzufriedenheit  der Belegschaft weiter wächst und die Identifikation in gleichem Maße sinkt? Schaut man sich die vielfältigen „Programme zur Personalpflege“ an, so lassen manche Unternehmen nichts vermissen: Work-Life-Balance, Gesundheitsmanagement, Talentmanagement, Führungskräfteentwicklung, Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf, Retention Management, um nur einige zu nennen. Haben die Unternehmen, trotz aller Beteuerungen, die Mitarbeiter seien das höchste Gut und stünden im Mittelpunkt, ihre Hausaufgaben doch nicht gemacht? Oder ging es nur darum, werbewirksam das Image und die Attraktivität als Arbeitgeber zu verbessern? Sind das nur gezielte PR-Kampagnen? Oder waren all die Anstrengungen einfach nur nicht erfolgreich und wenn ja, warum nicht?

Marijan Kosel  und Jürgen Weißenrieder

INPM Institut für Nachhaltiges Personalmanagement

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Jürgen Weissenrieder, INPM – Institut für Nachhaltiges Personalmanagement

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One thought on “Nachhaltiges Personalmanagement ist noch nicht wirklich verinnerlicht – Umdenken in vielen Personalbereichen tut Not!

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