Im klassischen deutschen Mittelstand sind bei ca. 12.000 Firmen ungefähr 8,000 Mio Mitarbeiter in Deutschland beschäftigt. In keiner anderen Größenordnung oder Branche gibt es mehr Arbeitnehmer. Nun das ist sicher vielen bekannt und nicht wirklich etwas Neues.

Ich darf zur Zeit in Bayern vor Personalleitern und Geschäftsführern aus mittelständischen Unternehmen Vorträge zum Thema digitale Personalakte halten. In diesem Zusammenhang kommen wir in der Diskussion sehr schnell auf das Thema Workflow und ich zeige dann gerne das Organisationsmodell von Dave Ulrich und wie Workflows den Prozess zwischen Mitarbeiter, Führungskraft, Business Partner und Service Center unterstützen und vereinfachen können. Die Frage, ob das Modell bekannt ist, wird mir hierbei oft verneint. Genau so geht es auch bei Themen wie einer digitalen Akte, mobilen HR-Lösungen oder Tools für das Bewerbermanagement.

Jetzt muss man sich schon die Frage stellen, warum das so ist. Provokant gesagt, kann man glauben, dass an diesen Unternehmen die „moderne“ HR-Welt vorbei zieht. Dann muss man sich aber schon auch überlegen, wie es diese Firmen weiterhin schaffen, am Markt zu überleben und teilweise sogar marktführende Stellungen einzunehmen. Ganz so fern von der „modernen“ Welt können sie somit gar nicht sein. Auch wenn wir das Thema Bewerbermanagement diskutieren, sind wir hier noch weit weg von Bewerberportalen, digitalen Bewerbungen oder Social Media. Hier soll es wirklich noch Bewerbungen in Papierform geben – für manche Grossunternehmen heutzutage unvorstellbar.

Aber was bedeutet das nun?

Ich glaube nach wie vor, dass wir in vielen Diskussionen, Forschungen und Studien dieses Thema viel zu viel vernachlässigen und uns zu wenig um die Probleme und Nöte des deutschen Mittelstandes kümmern. Dabei ist gerade das die stabile Grundlage der deutschen Wirtschaft, die es häufig auch in ländlichen Gebieten ermöglichen, dass Menschen spannende und verantwortungsvolle Jobs finden und ihr Können und Wissen einbringen können. Und was nützt es den Mittelstand wie Großunternehmen wie die Telekom, VW oder Deutsche Bank rekrutieren oder ihre Arbeit organisieren. Aber gerade hierüber wird in allen Personalmedien geschrieben und auf allen Kongressen diskutiert. Dabei beschäftigen die Top 30 DAX-Unternehmen gerade mal 1,600 Mio Mitarbeiter in Deutschland, also nicht einmal ein Viertel des Mittelstandes.

Auf der anderen Seite habe ich gerade im Mittelstand das Gefühl, dass hier die Personaler noch einen direkten Draht zu Führungskräften und Mitarbeitern haben und sie brauchen kein internes Personalmarketing oder Rollenbeschreibungen, um eine Daseinesberechtigung zu erhalten oder Akzeptanz im Unternehmen zu bekommen. Hier ist der Personaler noch aus seiner ursprünglichen Rolle, „Personaler“ zu sein, ein wichtiger Partner für Führungskräfte, Mitarbeiter oder die Geschäftsführung. Eine Akzeptanz, die sich Personaler in Grossunternehmen häufig hart erarbeiten müssen und manchmal nur Kraft Organigrammen und Führungsstrukturen bzw. Kompetenzen bekommen.

Was denken Sie zu dem Thema ? Wie können wir die Personalarbeit im Mittelstand effizient gestalten?

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2 thoughts on “Ist Personalarbeit im Mittelstand möglich?

  1. Ein interessanter Artikel, wie Mittelständler im Personalbereich flexibel sind, findet sich hier in der Zeitschrift Markt&Mittelstand: Flexibilität im Personalbereich

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