Dieser Eindruck drängt sich jedenfalls auf. Bei der Lektüre von Facebook-Statusmeldungen von sogenannten „Freunden“ oder von anderen, die die Privatsphäre-Einstellungen nicht sonderlich genau nehmen, stolpert der überraschte Arbeitsrechtler des Öfteren über Aussagen, die ihm doch auch mal ein wenig Kopfschmerzen bereiten.

„Mal wieder am Nichtstun“, am besten verbunden mit einem verwackelten Handybild, das zur Untermalung der Aussage hochgeladen wurde. „Mein Chef ist so ein A***!“ ist ebenfalls sehr beliebt. Man wagt zu hoffen, dass im Moment vielleicht berechtigten Grolls eine Kurzschlussreaktion diese öffentlich zugängliche Aussage verursachte. Diese Hoffnung verfliegt, wenn man die bestätigenden Kommentare der – wahrscheinlich – Kollegen liest.

Auch beliebt ist einfach mal eine pauschale Kritik am Arbeitgeber, wie „Chaoshaufen“ usw. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hat zu Kritik im Internet eine ganz eigene Meinung (Beschluss vom 29.02.2012, Aktenzeichen 12 C 12.264): Es müsse, so das Gericht, berücksichtigt werden, ob eine Aussage tatsächlich öffentlich oder in im sogenannten „privaten“ Bereich erfolgt ist.

Diese Unterscheidung klingt zunächst einleuchtend, hilfreich ist sie nicht und richtig schon gar nicht. Wenn 400 „Freunde“ (diese Zahl ist keine Seltenheit!) meine tatsächlich nur für „Freunde“ lesbare Äußerung zu Gesicht bekommen, kann von Privatheit keine Rede mehr sein. Abgesehen von diversen Funktionen, die Facebook im Speziellen und das Internet im Allgemeinen bieten: Aussagen können geteilt, kopiert und eingefügt werden. Die Gefahr des Kontrollverlusts über im Internet getätigte Aussagen ist unwahrscheinlich hoch.

Dennoch sehen die Arbeitsgerichte Kritik am Arbeitgeber im Internet leider tatsächlich zu gelassen. Abgesehen vom Bayerischen Verwaltungsgerichtshof hat letztens das Arbeitsgericht Bochum für Aufregung in der Presse gesorgt: Ein Azubi hatte seinen Chef  in seinem Facebookprofil als „Menschenschinder und Ausbeuter“ bezeichnet. Die daraufhin erfolgte Kündigung sei jedoch nicht rechtmäßig, so das Arbeitsgericht Bochum (Aktenzeichen 3 Ca 1283/11). Was soll man dazu noch sagen?

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